DIE FÜNF SÄULEN DES ISLAM

Im Islam ist jede Handlung, die im Gehorsam Gott gegenüber und zu seinem Wohlgefallen ausgeführt wird, Gottesdienst. Jedoch bestimmte besondere Handlungen des Gottesdienstes, die als die Säulen des Islam bezeichnet werden; sind diese:

1. Glaubensbekenntnis (Schahada):

„La ilaha il-lal-lahu- Muhammad-ur- Rasul-ul-lah (Es gibt keinen Gott außer Gott, und Muhammad ist sein Gesandter und Diener). Mit dem Glaubensbekenntnis bekräftigt der Muslim, daß alle Macht Allah gehört und in der Lebensweise des Propheten der wahrhaftige Erfolg im Diesseits und im Jenseits liegt. 

Der Glaube an Gott ist für den Muslim die wichtigste und alles beeinflussende Grundlage seiner Weltanschauung. Jede Aussage über Gott ist und bleibt eine Glaubensaussage, die aber für den Gläubigen echtes Wissen ist, da er Gott in seinem Leben erfahren hat. Jeder denkende Mensch findet in der Natur und in sich selbst viele Zeichen , die ihn auf das Dasein Gottes hinweisen. Deswegen heißt es im Quran:
„Und auf Erden sind Zeichen für die Starken im Glauben, und in Euch selber. Wollt Ihr denn nicht sehen? (51/ 20-21)“.

Allah ist der persönliche Name des einen wahren Gottes. Nichts außer ihm kann Allah genannt werden. Das Wort Allah hat grammatikalisch gesehen -weder Mehrzahl noch Geschlecht. Dies zeigt die Einzigartigkeit im Vergleich mit dem Wort Gott, aus dem man grammatikalisch die Mehrzahl Götter und die weibliche Form Göttin machen kann. Gott hat sich selbst im Quran bezeichnet mit Eigenschaften wie Allerbarmer, Barmherziger, Allmächtiger, Allgegenwärtiger Schöpfer, Erhabener, Allwissender, Allsehender, Allhörender, Gerechter, Nachsichtiger, Würdevoller, Liebevoller, Versorger, Erhalter, Einzigartiger, Heiler, Lebensspendender, 
Erster, Ewigwährender, Ordner der Dinge, Vergebender, Verzeiher, Leiter der Rechtleitung, Herr der Majestät, uneingeschränkter Herrscher usw. 
Der Islam erlegt dem Menschen den Glauben an die Einheit und die Oberhoheit Gottes. Dieser Glaube befreit den Menschen von Ängsten und Aberglauben und macht ihm seine Pflichten Allah gegenüber bewußt. 
Der Glaube muß in die Tat umgesetzt werden, denn Glaube allein genügt nicht. Der Glaube an den einen einzigen Gott führt zum Betrachten der Menschheit als eine einzige Familie, die unter der allumfassenden Allmacht Gottes, des Erhabenen Schöpfers steht.
Der Islam weist die Idee vom auserwählten Volk zurück und sieht im Glauben an den Einen Gott und in den guten Taten den einzigen Weg, der ins Paradies führt. Somit besteht eine direkte Beziehung zwischen Mensch und Gott ohne irgendeinen Vermittler.

2. Das Gebet (As-sala):

Das Gebet (arabisch  As-sala) ist fünfmal  täglich, als eine Pflicht gegenüber Gott vorgeschrieben. Es sind  die vorgeschriebenen täglichen Gebetsübungen, die darin bestehen, daß ein Muslim sich fünfmal am Tag das wiederholt und ins Gedächtnis ruft, worauf sein Glaube aufgebaut ist. Die fünf täglichen Gebete erinnern den Menschen an seinen Bund mit Gott, sie beleben und stärken seinen Glauben an ihn stets aufs neue. Sie reinigen sein Herz  und helfen ihm, der Versuchung zur Sündhaftigkeit auszuweichen und allem Unguten und Unreinen aus dem Weg zu gehen.
Um Einheit der geistigen und körperlichen Reinheit zu erlangen, wäscht sich der Muslim rituell seine Hände bis zum Ellenbogen, Gesicht und Füße und überstreicht seine Haare und tritt nun vor seinen Herrn zum Gebet. Eine Besonderheit des Islam ist, daß das Gebet überall und an jedem Ort allein oder gemeinsam verrichtet werden kann. Die verschiedenen Stellungen, die während des Gebetes eingenommen werden, sind nichts anderes als der Ausdruck der geistigen und körperlichen Ergebenheit des Muslims. Die verschiedenen Rezitationen aus dem Quran erinnern ihn an seine Verpflichtungen Gott gegenüber. Die fünf täglichen Gebete sind frühmorgens vor Sonnenaufgang, gegen Mittag - wenn die Sonne den Zenit überschritten hat-,  gegen Nachmittag, unmittelbar nach Sonnenuntergang und wenn die Dunkelheit der Nacht eingebrochen ist, zu verrichten.
 

3. Pflichtsteuer (Zakah):

Zakah ist das jährliche Entrichten eines bestimmten Prozentsatzes vom Nettovermögen  (z.B. 2,5% des Barvermögens, das einen bestimmten Betrag überschreitet  und ein Jahr überdauert hat), zur Läuterung der eigenen Seele und zur Reinigung des Eigentums. Zakah ist an einen unterstützungswürdigen Mitbürger, einen zum Islam Bekehrten, einen Reisenden oder einen mit Schulden Belasteten zu zahlen. Dies ist das Minimum, was den Muslimen nach zahlreichen Quran-Versen vorgeschrieben ist. Je mehr man bezahlt, um so größer wird die Belohnung sein, die Gott einem dereinst wird zuteil werden lassen. Die Zakah ist etwas so Gründsätzliches im Islam wie die anderen Formen der Ibada, wie etwa das Gebet und das Fasten. Die Hauptbedeutung dieser Abgabe liegt in der Tatsache, daß dadurch die gute Eigenschaft der Opferfreudigkeit gefördert wird und man von seiner Selbstsucht und seinem Trieb, Geld zu horten, befreit wird. Der Islam nimmt nur jene in seinen Schoß auf, die dazu bereit sind, auf Gottes Wegen aus ihrem schwer verdienten Vermögen freudig und ohne Aussicht auf irgendwelchen irdischen oder persönlichen Gewinn etwas zu verschenken. Mit Geizhälsen will er nichts zu tun haben. Für die islamische Gesellschaft bringt die Einrichtung der Zakah außerordentlich große Vorteile mit sich. Es ist jedem wohlhabenden Muslim zur bindenden Pflicht gemacht worden, seinen schlechtergestellten , bedürftigen Brüdern und Schwestern zu helfen. Sein Vermögen soll nicht einzig und allein für das eigene Wohlergehen und die persönliche Bequemlichkeit ausgegeben werden. Vielmehr gibt es Menschen, die einen rechtmäßigen Anspruch auf sein Vermögen erheben können. Das sind z.B. die Witwen und Waisen; die Armen und kranken; jene, die die Fähigkeiten, nicht aber die Mittel haben, um sich eine nützliche Beschäftigung zu suchen; jene, die das Talent und den Scharfsinn, nicht jedoch das Geld besitzen, um sich größeres Wissen anzueignen und damit wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft zu werden. Wer die Rechte solcher Mitbürger der eigenen Gemeinschaft auf sein Vermögen nicht anerkennt, ist wahrhaftig grausam. Denn es gibt keine größere Grausamkeit als die, die eigenen Truhen vollzustopfen , während andere Hungers sterben oder  unter quallvollen Folgen der Arbeitslosigkeit leiden müssen. Anzumerken bleibt die Tatsache, daß die Pflichtabgabe (Zakah) unabhängig von der Zahlungspflicht der modernen zahlreichen direkten oder indirekten Steuerarten zu entrichten ist. 

4. Das Fasten (Ramadan):

Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders, der auf der  Mondumlaufbahn beruht (Mondkalender), im Gegensatz zur Erdumlaufbahn (Sonnenkalender). Alle Muslime, ohne Ansehen ihres Standes oder Standortes, führen die Pflicht des Fastens während desselben Monats in der ganzen Welt aus. Das Fasten dauert einen vollen Monat. Da der Islam einen Mondkalender hat, fällt der Monat Ramadan der Reihe nach in jede Jahreszeit: in den Herbst, den Winter, den Frühling oder den Sommer. Und der Gläubige lernt es, diese Entbehrungen während drückender Hitze wie bei strenger Kälte zu ertragen. Dies hebt die grundsätzliche Gleichheit aller Menschen hervor und trägt somit wesentlich zur Schaffung eines Gefühls der Liebe und Brüderlichkeit unter ihnen bei.

Befreiung von Fastenpflicht gibt es in Ausnahmefällen, wie z.B. für die Kranken oder Reisenden oder für Frauen während ihrer Regel oder Schwangerschaft/ des Stillens. Die befreiten Tage müssen allerdings später nachgeholt werden.. Während des Ramadan verkriecht das Schlechte, während das Gute in den Vordergrund tritt und die allgemeine Stimmung von Frömmigkeit und Reinheit getragen ist. Im Islam stellt das Fasten eine Übung dar, bei der in besonderer Weise deutlich wird, daß Körper und Geist, Religion und tägliches Leben  eine Einheit bilden, die voneinander nicht getrennt werden können.  Das Fasten bedeutet Enthaltsamkeit von Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr mit dem Ehepartner, täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Dabei werden Verlangen und Begierde unterdrückt. Das Fasten lehrt Aufrichtigkeit und Frömmigkeit, sowie Mitgefühl mit Bedürftigen und Liebe. Es entwickelt ein gesundes soziales Gewissen, Geduld, Selbstlosigkeit und Selbstdisziplin.

5. Die Pilgerfahrt (Hadsch):

Der Hadsch oder die große Pilgerfahrt nach Mekka ist auch eine fundamentale Pflicht im Islam. Allerdings ist diese Reise nur für jene bindende Pflicht, die die Mittel dazu aufbringen können. In diesem Fall soll die Pilgerfahrt mindestens einmal im Leben unternommen werden. Mekka steht heute dort, wo einst der Prophet Ibrahim (Abraham) Gottes Segen sei mit ihm, ein kleines Haus zur Anbetung Gottes erbaute. Allah belohnte ihn, indem Er es Sein Eigenes Haus nannte und es zum Mittelpunkt aller Gläubigen machte, die sich bei der Verrichtung aller Gebete stets dorthin wenden, wo immer sie sich auch befinden mögen. Mekka ist Mittelpunkt der Islamischen Welt, an dem die Muslime einmal jährlich zusammenkommen, um sich gemeinsam niederzulassen und über Themen von allgemeinem Interesse zu diskutieren. Dadurch wird der Glaube um so lebhafter entfacht und das Bewußtsein wachgerufen, daß alle Muslime gleich sind und die Liebe und das Mitgefühl der anderen verdienen, unabhängig von ihrer geographischen oder kulturellen Herkunft. So verbindet die Pilgerfahrt die Muslime der ganzen Welt zu einer internationalen Bruderschaft, die im Quran erklärt worden ist.  Die Pilgerfahrt ist in gewisser Beziehung die größte aller Gottesdienste. Denn wenn ein Mensch nicht wirklich von der Liebe zu Gott erfüllt wäre, würde er niemals eine so lange Reise auf sich nehmen und all seine Freunde und Lieben zurücklassen. Auch unterscheidet sich die Pilgerfahrt grundlegend von jeder anderen Reise. Die Pilgerfahrt ist an feste Riten und Handlungen gebunden, die erfüllt werden müssen. Hier beschäftigt sich der Reisende in all seinen Gedanken mit Gott, sein ganzes Wesen erschauert förmlich vor inniger Ergebenheit und Ehrfurcht. In den heiligen Stätten findet er eine  Atmosphäre, getragen von Frömmigkeit, Milde und gutem Willen, vor. Die Pilgerfahrt verlangt von jedem einzelnen, daß er seine Leidenschaften zügelt, Blutvergießen vermeidet und aufrichtig in Tat und Wort ist.

   
© Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammed ist sein Gesandte Allahs